Factoring-Verfahren​: So finden Sie die perfekte Lösung für Ihr Unternehmen

Unechtes, stilles, Full Service- oder Inhouse-Factoring – Unternehmen können aus einigen Factoring-Verfahren wählen. Wir fassen für Sie zusammen und helfen, die richtige Variante für Ihr Unternehmen zu finden.

Zuletzt beschäftigten wir uns mit der Entscheidung „Einvertragsmodell oder Zweivertragsmodell“ – und der damit verbundenen Frage, welches Vertragsmodell am besten vor Forderungsausfällen schützt.

In diesem Text beleuchten wir nun die verschiedenen Factoring-Varianten. Damit wollen wir Sie in die Lage versetzen, die Vorteile und Nachteile aller Factoring-Varianten unmittelbar zu erkennen. Mit dieser Grundlage können Sie alle wesentlichen Faktoren in Ihren Entscheidungsprozess einfließen lassen. Und schließlich finden Sie zu einer individuellen und bedarfsgerechten Factoring-Lösung. Selbstverständlich begleiten wir Sie bei Ihren Abwägungen auch individuell. Profitieren Sie von unserer Marktkenntnis und nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf.

Der wichtigste Beweggrund für den Einsatz einer Factoring-Lösung lautet: Unternehmen wollen ihre Liquidität sichern. Diesen Wunsch erfüllen alle Varianten im echten Verfahren. Denn mit ihren Forderungen nutzen Unternehmen einen Vermögensgegenstand, der in den meisten Fällen bislang nicht oder nicht ausreichend in die Finanzierung eingebunden war. Factoring schützt so nicht nur vor Forderungsausfällen. Es erfüllt sich auch der Wunsch, unabhängig(er) von der Hausbank zu werden.

Eine Information vorab: Wir richten uns in diesem Text an Factoring-Nehmer und -Interessierte aus Deutschland. In anderen Ländern Europas weicht die Markt- und Rechtslage zum Factoring deutlich ab.

Echtes oder unechtes Factoring-Verfahren?

Verkaufen Sie Ihre Forderungen rechtswirksam – oder beleihen Sie sie nur? In Deutschland kommt meist echtes Factoring – auch Non-Recourse Factoring genannt – zum Einsatz. In diesem Factoring-Verfahren kauft der Factor die Forderungen an. Als deren Inhaber übernimmt er auch das Risiko eines Forderungsausfalls. Besteht in einem Unternehmen eine Warenkreditversicherungspolice, lässt sich diese in eine echte Factoring-Lösung einflechten.

In einem unechten Factoring-Verfahren (Recourse Factoring) dagegen beleiht der Factor faktisch die Forderungen nur. Er kann den vermeintlichen Ankauf einer einzelnen Forderung jederzeit zurückabwickeln. Zudem verbleibt auch das Risiko des Forderungsausfalls beim Factoringnehmer.

Was wollen Sie verkaufen?

In der Regel möchten die Factoringgesellschaften alle offenen Forderungen ihrer B2B-Kunden ankaufen. Dennoch ist es natürlich möglich, dem Factor lediglich einen Ausschnitt seiner Kunden anzubieten. Bei diesem sogenannten Ausschnittsfactoring beschränken Sie sich beispielsweise auf die Kundengruppen, die einen bestimmten Jahresumsatz erzielen oder die ein besonders langes Zahlungsziel von Ihnen erhalten. Typische Factoring-Verfahren sind:

Factoring-Verfahren
Es lohnt, einen Factoring-Profi hinzuziehen. Ein Experte wird Sie mit den verschiedenen Factoring-Verfahren vertraut machen.
  • Wollen Sie nur die Forderungen weniger Kunden verkaufen? Dann spricht man vom selektiven Factoring.
  • Wollen Sie nur zu Stichtagen wie dem Quartals- oder Jahresende Forderungen verkaufen, etwa, um die Bilanz zu „glätten“? Dann spricht man von einem Ultimofactoring.
  • Wollen sie wiederum nur einzelne Forderungen oder permanent revolvierende Forderungen eines einzelnen Kunden verkaufen? Dann fragen wir für Sie Einzelfactoring an.
  • Sollten Sie nur Ihre Auslandsforderungen verkaufen wollen, nennt sich das Export-Factoring.

Bitte bedenken Sie, dass die Wahl der Factoring-Variante und der Gesamtumfang der verkauften Forderungen die Höhe der erhobenen Gebühren und Zinsen entscheidend beeinflussen.

Offenes oder stilles Factoring?

Beim offenen Factoring erfährt Ihr Kunde mit der Rechnungsstellung von der Forderungsabtretung zu Gunsten des Factors. Sie vermerken auf der Rechnung die Zahlungshinweise und die Bankverbindung des Factors. Weil die Abtretung der Forderung transparent offengelegt ist, verringert sich das Risiko des Factors und die damit verbundene Durchsetzbarkeit der Forderung gegenüber Ihres Kunden. Deshalb kann er seine Dienstleistung deutlich mehr Unternehmen oder günstiger zur Verfügung stellen.

Im stillen Factoring bleibt der Forderungsverkauf dem Kunden zunächst verborgen. Er wird erst sichtbar, wenn Forderungen überfällig sind und der Warenkreditversicherung gemeldet werden müssen. Da Factoring deutschland- und weltweit an Akzeptanz gewinnt, bieten wir als Factoring-Experten meist eine offene Factoring-Lösung an. Bei Bedarf lassen sich einzelne Kunden oder Kundengruppen per stillem Verfahren einbinden.

Wir gehen nun auf besondere Factoring-Varianten ein. 

Full Service-Factoring

Wie die Bezeichnung dieser offenen Variante vermuten lässt, erhalten Sie mit dieser Lösung das Maximum an Dienstleistungen, die ein Factoringvertrag mitbringen kann. Hier übernimmt der Factor für das Unternehmen das komplette Debitorenmanagement, das Mahn- und das Inkassowesen. Weil es so aktiv Ihre Buchhaltung entlastet, empfiehlt sich Full Service Factoring für Start-Ups und kleinen Unternehmen als verlässliche Factoring-Lösung.

Inhouse-Factoring

Im Gegensatz dazu verbleiben Mahnwesen und Debitorenmanagement bei Inhouse Factoring im Unternehmen. Das Factoring setzt auf die bestehenden Strukturen Ihrer bestehenden professionelle Buchhaltung auf. Die Factoring-Gesellschaften bieten Inhouse-Factoring üblicherweise als offenes Verfahren an. Bei mittleren und großen Unternehmen können wir ein stilles Verfahren verhandeln. Ausschlaggebend für die Verhandlungen sind unter anderem die Kundenstruktur und die Bonität Ihres Unternehmens.

VOB-Factoring / Handwerker-Factoring

Diese spezielle Art des Factorings betreiben nur wenige Factoring-Gesellschaften in Deutschland. VOB-Forderungen sind herausfordernd, denn nach Leistungserbringung können noch Mängel auftreten. Das heißt, die Forderungen sind nicht einredefrei oder es werden Teilzahlungsrechnungen geschrieben – für die Factoring-Gesellschaft ist dies schwer abzubilden.

Dennoch lassen sich Forderungen aus dem Handwerk und dem Baunebengewerbe verkaufen, auch wenn dahinter Leistungen nach VOB / VOL oder HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) stehen. In dieser Variante können auch Forderungen an private Auftraggeber angekauft werden.

Fälligkeitsfactoring

Diese Form des Factorings stellt Ihnen erst Liquidität zur Verfügung, wenn die Forderung gegenüber Ihren Kunden fällig ist. Damit ist spezielle Variante der Warenkreditversicherung sehr ähnlich. Sie sichert Ihre bereits fakturierten Forderungen allerdings zu 100 % ab.

Cross Border-Factoring

Hat Ihr Unternehmen rechtlich eigenständige Tochtergesellschaften im Ausland? Dann können Sie, je nach Standort Ihres Unternehmens, diese in ein Factoring-Verfahren einbinden. Die Anzahl der Anbieter für eine solche Factoring-Lösung ist auf Grund der Regularien begrenzt. Oft lässt sich aus Deutschland heraus ein sogenanntes Cross Border-Factoring installieren. So können Ihre Tochtergesellschaften hier in Deutschland mitverhandelt werden.

Die Vorteile des Factorings

Factoring eignet sich als flexibler Baustein Ihrer Unternehmensfinanzierung, der sich automatisch Ihrer Außenstände und Ihrer Umsatzentwicklung anpasst. Es sichert Ihre fakurierten Forderungen gegenüber Ausfall ab und kann in vielen Fällen Ihre Buchhaltung entlasten. Factoring bietet Ihnen eine zusätzliche Kreditlinie lediglich auf Basis Ihrer offenen Rechnungen, es verkürzt Ihre Bilanz und steigert Ihre Eigenkapitalsquote. Factoring kann aber auch dann eine Lösung für ein Unternehmen sein, wenn Sie die benötigte Liquidität nicht durch Bankkredite abdecken können.

Für alle Phasen des Unternehmenszyklus gibt es spezialisierte Factoringanbieter: Start-up, Wachstum, Krise, Sanierung und Insolvenz. Wir lotsen Sie gern durch Ihre Optionen.

 

Sprechen Sie uns – die Factoring-Experten Ihrer Wa-Ka – an.

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